VFC Halbzeitzeugnis 2026: Wer überzeugt – und wer muss nachlegen? | Teil 1
- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Zehn Rennen sind absolviert, sechs stehen noch aus – die VFC-Saison 2026 hat ihre Halbzeit bereits überschritten und geht nach dem Austrian GP in ihre entscheidende Phase. Zeit also für eine erste Bestandsaufnahme.
Dabei sagt der reine Blick auf die Konstrukteurswertung längst nicht alles aus. Entscheidend ist auch, mit welchen Erwartungen ein Team in die Saison gestartet ist, welches Potenzial im Auto steckt und wie sich die aktuelle Punkteausbeute mit dem Vorjahr vergleichen lässt.
Im ersten Teil unseres großen VFC-Halbzeitzeugnisses schauen wir auf die Teams auf den Positionen 13 bis 7 der Konstrukteurswertung.
13. Arrow Racing – Note 4
2026: 6 Punkte | 2025 nach zehn Rennen: 32 Punkte
Arrow Racing bleibt auch 2026 das, was das Team bereits in den vergangenen Jahren häufig war: ein Teilnehmer, der im Feld mitfährt, gelegentlich Punkte mitnimmt, sich aber nur selten nachhaltig in den Vordergrund spielen kann.
Sportlich ist die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr dennoch ein Rückschritt. Unter dem damaligen Namen Yellow Arrow Racing standen nach zehn Rennen 2025 immerhin 32 Punkte auf dem Konto. In dieser Saison sind es zum gleichen Zeitpunkt lediglich sechs.
Eine echte Krise ist daraus allerdings nicht geworden, denn die Erwartungen an Arrow waren bereits vor Saisonbeginn überschaubar. Das Team erfüllt letztlich ungefähr die Rolle, die ihm im Feld ohnehin zugeschrieben wurde – nur auf einem niedrigeren Punkteniveau als im Vorjahr.
Große Ausreißer nach oben fehlen genauso wie komplette Katastrophen. Arrow ist da, fährt seine Rennen und nimmt Punkte mit, wenn sich eine Gelegenheit bietet.
Halbzeitfazit: Keine dramatische Enttäuschung, aber auch keinerlei erkennbare Weiterentwicklung. Für eine bessere Bewertung müsste Arrow in der zweiten Saisonhälfte häufiger aus eigener Kraft in die Punkteränge fahren.
Note: 4
12. Simspark Racing – Note 6
2026: 6 Punkte | 2025 nach zehn Rennen: 46 Punkte
Kaum ein Team dürfte mit einer größeren Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität in die Sommerphase der Saison gegangen sein.
Vor Saisonbeginn sprach Simspark offen von Podien. Nach zehn Rennen stehen allerdings gerade einmal sechs Punkte zu Buche. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es noch 46.
Doch die sportlichen Resultate sind inzwischen beinahe nur ein Teil des Problems. Mit Alvin Tran und Christian Dittmer haben gleich zwei Fahrer das Team während der laufenden Saison verlassen. Beide äußerten sich anschließend kritisch über die internen Teamstrukturen.
Damit ist aus einer sportlich enttäuschenden Saison mittlerweile eine grundsätzliche Baustelle geworden. Die angestrebten Podestplätze sind in weite Ferne gerückt, während Simspark inzwischen darum kämpfen muss, überhaupt regelmäßig in die Punkte zu kommen.
Halbzeitfazit: Podien waren das Ziel, sechs Punkte sind die Realität. Dazu kommen Fahrerabgänge und Kritik an den internen Strukturen. Gemessen am eigenen Anspruch ist die bisherige Saison kaum anders zu bewerten.
Note: 6
11. SVL Racing – Note 6
2026: 19 Punkte | 2025 nach zehn Rennen: 44 Punkte
Noch vor einem Jahr gehörte SVL Racing zu den interessanten Projekten im VFC-Feld. Sander van Leeuwen krönte seine Saison 2025 sogar mit der Auszeichnung zum Rookie of the Year.
2026 ist von diesem Schwung kaum noch etwas übrig.
Nach zehn Rennen hat SVL lediglich 19 Punkte gesammelt – weniger als die Hälfte der 44 Zähler, die zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres auf dem Konto standen. Besonders schwer wiegt dabei die Situation rund um van Leeuwen, der seit dem Kanada GP nicht mehr für das Team angetreten ist.
Seitdem fehlt SVL nicht nur einer der auffälligsten Fahrer des Vorjahres, sondern offenbar auch die sportliche Richtung. In der Konstrukteurswertung ist das Team inzwischen auf Platz elf abgerutscht.
Halbzeitfazit: Vom Aufwärtstrend des Vorjahres ist kaum etwas geblieben. Die Abwesenheit van Leeuwens hat die ohnehin schwierige Saison zusätzlich verschärft. SVL braucht in der zweiten Saisonhälfte dringend neue Impulse.
Note: 6
10. Spinardi – Note 4+
2026: 21 Punkte
Der zehnte Platz und gerade einmal 21 Punkte sehen auf den ersten Blick nach einer klar enttäuschenden Saison aus. Ganz so einfach ist die Bewertung bei Spinardi allerdings nicht.
Das Auto besitzt grundsätzlich deutlich mehr Potenzial, als es die Konstrukteurswertung vermuten lässt. Immer wieder zeigte sich, dass die Pace vorhanden ist – nur wurde daraus viel zu selten ein entsprechendes Ergebnis.
Besonders Daniel Scott entwickelte sich in der ersten Saisonhälfte regelrecht zum Pechvogel. Mehrfach verhinderten äußere Umstände oder unglückliche Situationen eine deutlich bessere Punkteausbeute.
Trotzdem kann sich Spinardi darauf natürlich nicht dauerhaft berufen. Mit dem Anspruch, sich im Mittelfeld zu etablieren, sind 21 Punkte nach zehn Rennen schlicht zu wenig.
Halbzeitfazit: Das Ergebnis stimmt nicht mit der tatsächlichen Fahrzeugperformance überein. Spinardi ist besser, als es Platz zehn vermuten lässt – muss dieses Potenzial in der zweiten Saisonhälfte aber endlich in Punkte umwandeln.
Note: 4+
9. Falcon Simracing – Note 5
2026: 28 Punkte | 2025 nach zehn Rennen: 114 Punkte
Von allen etablierten Teams hat Falcon Simracing wohl den dramatischsten sportlichen Absturz erlebt.
Nach zehn Rennen 2025 stand Falcon mit 114 Punkten auf dem dritten Platz der Konstrukteurswertung. Ein Jahr später sind es gerade einmal 28 Zähler und Position neun.
Dabei erzählt selbst diese Zahl noch nicht die ganze Geschichte. Gerade im ersten Saisonviertel gehörte das Falcon-Paket zeitweise zu den stärksten Autos im Feld. Viel zu wenig wurde daraus gemacht.
Technische Probleme, eigene Fehler und immer wieder neue Rückschläge haben sich durch die gesamte bisherige Saison gezogen. Mittlerweile wartet Falcon seit fünf Rennen auf einen einzigen Punkt.
Das macht die Situation besonders bitter: Anders als bei Teams, denen schlicht die Geschwindigkeit fehlt, war das Potenzial bei Falcon durchaus vorhanden.
Halbzeitfazit: Eine absolute Seuchensaison. Falcon hatte insbesondere zu Saisonbeginn ein Auto, mit dem deutlich mehr möglich gewesen wäre. Technische Probleme erklären einiges – die vielen eigenen Fehler allerdings nicht. Aus einem potenziellen Spitzenteam ist vorerst ein Sorgenkind geworden.
Note: 5
8. Blue Horns Racing – Note 4-
2026: 31 Punkte | 2025 nach zehn Rennen: 77 Punkte
Auch bei Blue Horns Racing zeigt die Entwicklung deutlich nach unten.
77 Punkte hatte das Team nach zehn Rennen der Saison 2025 gesammelt. In diesem Jahr sind es nur noch 31. Statt den Anschluss an die vorderen Plätze zu suchen, muss Blue Horns zunehmend darauf achten, nicht noch weiter nach hinten durchgereicht zu werden.
Vor allem Jörn Dicks findet bislang nicht zu der Form, die man von ihm kennt. Auch insgesamt fehlt dem Team die Konstanz, um regelmäßig größere Punkte mitzunehmen.
Einer der wenigen echten Lichtblicke war Tim Brendels starkes Wochenende in Magny-Cours, das er mit Platz vier abschloss. Solche Auftritte blieben bislang allerdings die Ausnahme.
Halbzeitfazit: Viel geht bislang nicht zusammen. Die Pace reicht gelegentlich für gute Resultate, doch insgesamt präsentiert sich Blue Horns deutlich schwächer als noch 2025. In der zweiten Saisonhälfte muss das Team aufpassen, nicht noch weiter abzurutschen.
Note: 4-
7. Ottimale EM – Note 2+
2026: 53 Punkte | 2025 nach zehn Rennen: 38 Punkte
Während mehrere etablierte Teams gegenüber 2025 deutlich zurückgefallen sind, hat Ottimale EM einen klaren Schritt nach vorne gemacht.
Nach zehn Rennen stehen 53 Punkte auf dem Konto – 15 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Der entscheidende Faktor ist dabei Tim Hauck. Der Ottimale-Pilot gehört bislang zu den konstantesten Fahrern der gesamten Saison und sorgt Wochenende für Wochenende dafür, dass das Team seine Punkte mitnimmt.
Auch Stefan Schubert konnte bereits Zähler beisteuern und damit wichtige Beiträge zur Konstrukteurswertung leisten.
Ganz nach vorne reicht es für Ottimale momentan zwar nicht, doch das Team macht genau das, was von einem soliden Mittelfeldteam verlangt wird: Chancen nutzen, Fehler vermeiden und regelmäßig punkten.
Halbzeitfazit: Keine spektakuläre, aber eine sehr starke und vor allem konstante Saison. Ottimale hat sich gegenüber dem Vorjahr klar verbessert – und Tim Hauck gehört bislang zu den zuverlässigsten Punktelieferanten der VFC.
Note: 2+
Damit endet Teil eins unseres VFC-Halbzeitzeugnisses. Während am Ende des Feldes insbesondere Simspark und SVL vor einer schwierigen zweiten Saisonhälfte stehen, gehört Ottimale zu den positiven Entwicklungen des Jahres.
In Teil zwei richtet sich der Blick auf die Top sechs – und dort reicht die Bandbreite vom spektakulären Turnaround über ehemalige Titelanwärter in Schwierigkeiten bis hin zum souveränen Spitzenreiter.


Kommentare