Razor GP: Zwischen Geduld, Erfahrung und Titelhunger
- VFC-Media
- vor 1 Tag
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Razor GP geht mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Zurückhaltung und ungebrochenem Ehrgeiz in die Saison 2026. Nach einem starken Vorjahr, in dem das Team lange um beide Meisterschaften kämpfte, stehen die Vorzeichen diesmal etwas anders. Teamchef Bastian Paisler und Fahrer Fabian Walter sprechen offen über ihre Erwartungen, ihre Sorgen – und ihren unerschütterlichen Glauben an das Projekt Razor GP.
Ein holpriger Start, der einkalkuliert ist
Im Gegensatz zum Vorjahr, als Razor GP schon in der Pre-Season zu den stärksten Paketen gehörte, rechnet Paisler diesmal mit einem schwierigeren Saisonbeginn. Das sei jedoch kein Grund zur Panik, sondern Teil des Plans. Man habe bewusst nicht auf maximale Frühform gesetzt, sondern auf ein langfristiges Entwicklungskonzept. Die ersten Rennen könnten daher härter werden als 2025 – doch mit Erfahrung und Konstanz wolle man die Punkteausbeute stabil halten, bis die Updates greifen.
Walter bestätigt diesen Ansatz. Man sei eher konventionell an die Upgrades herangegangen und habe nicht erwartet, dass einige Teams bereits so früh so stark auftreten würden. Dennoch ist er überzeugt, dass Razor GP im ersten Quartal in die Punkte fahren kann. Wie sich das Kräfteverhältnis danach entwickelt, werde sich zeigen – die Zuversicht ist aber spürbar.
Ein entscheidender Faktor könnte das Budget sein: Laut Paisler verfügt Razor GP weiterhin über das mit Abstand größte Entwicklungskapital der Liga. Das ermöglicht nahezu jedes Rennen neue Teile – ein Luxus, den kaum ein anderes Team hat.
Wettbewerb, Selbstzweifel und ein Koffer voller Memes
Auf die Frage, ob es jemanden gibt, um den er sich besonders sorgt, antwortet Paisler mit einer Mischung aus Respekt und Selbstkritik. Optiminal Esports, Falcon Simracing und SVL Racing hätten stark gewirkt – und auch Fabian Szyrzik bei Horizon Motorsport sei nach 2024 wieder ein ernstzunehmender Gegner. Seine größte Sorge gilt jedoch seiner eigenen Leistung: weniger Trainingszeit, mehr private Verpflichtungen – und Fehler, die es in früheren Jahren nicht gab. Gleichzeitig weiß er, dass Fehler unvermeidlich sind, wenn man am Limit fährt.
Walter nimmt die Frage mit Humor und verweist lachend auf Paislers „2021er-Meme-Koffer“, der ihn an die schwierigen Zeiten des Teams erinnert. Doch auch er ist überzeugt, dass Razor GP auf dem richtigen Weg ist – und dass Paisler längst hinter dem eingeschlagenen Kurs steht.
Der Anspruch bleibt derselbe: Titel
Trotz eines möglicherweise schwierigeren Saisonstarts bleibt das Ziel unverändert: Razor GP will beide Meisterschaften. Paisler spricht offen darüber, wie sehr das Team 2025 „an der Spitze geschnuppert“ hat – und wie sehr man dieses Gefühl zurückhaben möchte. Man wolle aus den Fehlern des Vorjahres lernen, Abläufe verbessern und im Saisonverlauf stärker werden.
Walter formuliert es gewohnt trocken: Nach den Erfolgen im letzten Jahr wolle man wieder nach der Krone greifen – oder den „KroNEN“. Der Humor bleibt, der Anspruch ebenso.
Streckenvorteile? Noch zu früh
Konkrete Aussagen zu streckenbezogenen Stärken wollen beide nicht treffen. Paisler hält es für zu früh, um Prognosen abzugeben, und betont, dass man unabhängig von der Streckencharakteristik immer 110 Prozent geben werde. Walter bleibt ebenfalls zurückhaltend und verweist darauf, dass man erst im Laufe der Saison ein klareres Bild haben werde.
Vorbereitung ohne Ingenieur, aber mit Eigenbau-Overlay
In der Vorbereitung setzt Razor GP weiterhin auf Eigeninitiative. Einen festen Ingenieur gibt es nicht – auch wenn man der Idee grundsätzlich offen gegenübersteht. Stattdessen vertraut das Team auf Erfahrung, Training und ein selbst entwickeltes Overlay, das Paisler im DevMod gebaut hat und das zahlreiche nützliche Informationen liefert. Walter ergänzt das Ganze mit seinem zweiten Bildschirm – ein Setup, das sich bereits in der Vergangenheit bewährt hat.
Jubiläum und Vorfreude
Beide blicken mit großer Freude auf die neue Saison. Sie wissen, was möglich ist, wenn alles harmoniert – und 2025 hat gezeigt, wie gefährlich Razor GP sein kann, wenn das Gesamtpaket passt. Ein besonderes Highlight steht bereits fest: In Melbourne feiert das Team seinen 130. GP in der VFC. Seit 2018 ist Razor GP dabei – und noch immer voller Energie.
2026 wird für Razor GP ein Jahr der Geduld, der Weiterentwicklung und des ungebrochenen Titelhungers. Der Start mag schwieriger werden als gewohnt, doch das Team ist überzeugt, dass es am Ende wieder ganz vorne mitspielen kann. Die Frage ist nicht, ob Razor GP angreifen wird – sondern wann.











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