2025 gegen 2026: Der große Teamcheck nach den ersten vier Rennen | Teil 5 von 6
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Vier Rennen sind gefahren, die Frühlingspause ist da – und damit der perfekte Zeitpunkt für die nächste Standortbestimmung. Im fünften Teil unseres großen Teamchecks richten wir den Blick auf Falcon Simracing und Blue Horns Racing, zwei Teams, deren Rückschritt gegenüber 2025 zwar unterschiedlich erklärbar ist, auf dem Papier aber unübersehbar ausfällt.
Falcon Simracing: Ein Rückschritt mit Vorgeschichte – und ein Team im Übergangsjahr

Bei Falcon Simracing fällt der Vergleich mit 2025 auf den ersten Blick brutal aus. 25 Punkte statt 51, kein Sieg, kein Podium, in der Meisterschaft nur Rang sechs statt Platz drei – die Zahlen zeigen klar, dass Falcon den starken Saisonstart des Vorjahres bislang nicht ansatzweise wiederholen konnte. Aus einem Team, das 2025 früh ganz vorne mitmischte, ist zunächst eine Mannschaft geworden, die eher im erweiterten Mittelfeld als in der Spitzengruppe unterwegs ist.
Und trotzdem wäre es zu einfach, diesen Rückgang nur als sportliches Versagen zu lesen. Denn bei Falcon gibt es einen entscheidenden Kontext, der den Einbruch zumindest erklärbarer macht: Der kurzfristige Abgang von Jan Wiegels zu Horizon Motorsport noch vor Saisonbeginn hat das Team spürbar getroffen. Wenn der Nummer-eins-Fahrer kurz vor dem Start wegbricht, reißt das nicht nur sportlich eine Lücke, sondern oft auch strukturell, mental und strategisch. Genau deshalb wirkt Falcon 2026 wie ein Team, das sich nicht einfach nur in einem Formtief befindet, sondern in einem echten Übergangsjahr.
Diese Saison ist bislang geprägt von dem Versuch, sich nach diesem Einschnitt neu zu sortieren. Einzelne Ansätze sind noch erkennbar – etwa die starke Startposition auf P2, die zeigt, dass nicht alles verloren ist. Aber über die Renndistanz fehlt bislang das, was Falcon 2025 noch ausgezeichnet hat: die Mischung aus Stabilität, Punch und echter Präsenz an der Spitze. Stattdessen stehen nur ein Top-5-Ergebnis und zwei Ausfälle auf dem Konto. Das ist zu wenig für einen Namen wie Falcon Simracing.
Besonders problematisch ist dabei der Blick nach vorne. Denn während andere Teams in Kanada mit neuen Teilen, frischen Impulsen und technischer Hoffnung anreisen, bringt Falcon überhaupt keine Updates mit. Der Grund dafür scheint ebenso klar wie bitter: Im Hintergrund drücken offenbar erhebliche finanzielle Probleme. Und genau das verändert die Perspektive auf dieses Team noch einmal deutlich. Denn ein sportlicher Rückschritt ist das eine – aber wenn gleichzeitig auch die Mittel fehlen, um darauf zu reagieren, wird aus einem schwierigen Start sehr schnell eine strukturelle Gefahr.
Falcon Simracing steht damit an einem unangenehmen Punkt der Saison. Der Rückschritt ist erklärbar, aber dadurch nicht weniger real. Das Team lebt aktuell von Restsubstanz, von Erfahrung und von der Hoffnung, sich irgendwie durch diese Phase zu tragen. Doch ohne Updates und ohne sichtbaren Impuls von außen droht dieses Übergangsjahr zu einem Jahr zu werden, in dem Falcon nicht nur den Anschluss an die Spitze verliert, sondern vor allem zusehen muss, wie andere Teams an ihnen vorbeiziehen.
Blue Horns Racing: Auf der Suche nach der alten Stärke – und immer tiefer in der Krise

Bei Blue Horns Racing fühlt sich der Vergleich mit 2025 fast noch schwerer an, weil sich hier nicht einfach nur ein normaler Rückschritt erkennen lässt, sondern ein Team, das seiner alten Form regelrecht hinterherläuft. 16 Punkte statt 35, Rang neun in der Meisterschaft statt Platz vier, dazu deutlich schwächere Qualifying- und Rennergebnisse – Blue Horns ist aktuell weit entfernt von dem Niveau, das man noch im Vorjahr zumindest phasenweise auf die Strecke bringen konnte.
Dabei war die Hoffnung durchaus da, dass sich das Blatt vielleicht noch wenden könnte. Vor allem Suzuka wirkte wie ein Wochenende, an dem ein neuer Motor für frischen Schwung sorgen könnte. Doch selbst dieser Impuls verpuffte. Genau das macht die Lage bei Blue Horns im Moment so unangenehm. Denn wenn selbst ein neuer Motor keinen echten Auftrieb mehr bringt, dann geht es längst nicht mehr nur um einzelne fehlende Zehntel oder ein unglückliches Wochenende. Dann geht es um ein Team, das tiefer in seiner Krise steckt, als es die bloßen Zahlen vielleicht zunächst vermuten lassen.
Blue Horns wirkt aktuell wie eine Mannschaft, die nicht nur nach Performance sucht, sondern nach Identität. Nach einem klaren Ansatz, nach einem Anker, nach irgendetwas, das diesem Projekt wieder Richtung gibt. Und genau an diesem Punkt taucht zwangsläufig ein Name auf, der über dem Team noch immer wie ein Echo vergangener Stärke schwebt: Fabian Szyrzik. Er war es, der Blue Horns 2024 erstmals seit den Volksmobil-Werksteam-Tagen von 2021 wieder an die Spitze katapultierte. Genau so eine Figur, genau so ein sportlicher Taktgeber, genau so ein Moment des Aufbruchs scheint dem Team aktuell zu fehlen.
Denn im Moment ist Blue Horns vor allem eines: ein Team auf der Suche. Auf der Suche nach Konstanz, auf der Suche nach Selbstvertrauen und vielleicht auch auf der Suche nach dem nächsten Fahrer oder der nächsten Konstellation, die wieder echte Hoffnung entfacht. Dass die Resultate schwächer geworden sind, ist das eine. Dass gleichzeitig kein klarer Weg aus dieser Entwicklung sichtbar ist, ist das viel größere Problem.
So langsam rutscht Blue Horns Racing deshalb in einen Bereich, in dem das Wort Krise nicht mehr übertrieben klingt. Noch ist die Saison nicht verloren, noch gibt es Rennen, Entwicklung und Chancen auf eine Trendwende. Aber je länger dieses Team seiner 2025er Form und erst recht seinen alten Höhepunkten hinterherläuft, desto größer wird die Gefahr, dass aus einem schwachen Saisonstart ein Jahr der verpassten Möglichkeiten wird.
Zwei Rückschritte – aber mit sehr unterschiedlichem Hintergrund
Nach vier Rennen lässt sich deshalb auch hier ein klares Zwischenfazit ziehen: Falcon Simracing und Blue Horns Racing haben beide deutlich an Boden verloren, aber aus sehr unterschiedlichen Gründen. Falcon leidet sichtbar unter einem Übergangsjahr, das durch den späten Wiegels-Abgang und offenbar große finanzielle Probleme zusätzlich erschwert wird. Blue Horns dagegen wirkt eher wie ein Team, das sportlich und mental nach Halt sucht und bislang keinen Hebel findet, um sich aus der Abwärtsspirale zu befreien.
Gerade deshalb wird Kanada für beide Teams zu einem wichtigen Gradmesser – auch wenn die Vorzeichen düster sind. Falcon muss beweisen, dass man auch ohne Updates und trotz schwieriger Umstände noch genug Substanz besitzt, um nicht komplett abzurutschen. Blue Horns dagegen braucht vor allem ein Lebenszeichen. Denn irgendwann reicht es nicht mehr, nur auf bessere Zeiten zu hoffen – irgendwann muss ein Team wieder anfangen, sie sich selbst zu erarbeiten.

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