2025 gegen 2026: Der große Teamcheck nach den ersten vier Rennen | Teil 4 von 6
- vor 2 Tagen
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Vier Rennen sind gefahren, die Frühlingspause ist da – und damit der perfekte Zeitpunkt für die nächste Standortbestimmung. Im vierten Teil unseres großen Teamchecks richten wir den Blick auf Rookie Monsters und Ottimale EM, zwei Teams, die sich auf sehr unterschiedliche Weise in den Fokus der frühen Saison gefahren haben.
Team Rookie Monsters: Zwischen Rückschlägen und dem ganz großen Suzuka-Moment

Die Rookie Monsters sind nach den ersten vier Rennen eines der spannendsten Beispiele dafür, wie schnell sich das Bild einer frühen Saison drehen kann. Auf dem Papier steht das Team bei 24 Punkten – also auf einem Niveau, das im Vergleich zum Vorjahr zunächst solide wirkt. Doch die Art und Weise, wie diese Punkte zustande gekommen sind, erzählt eine viel intensivere Geschichte.
Denn diese ersten Wochen waren alles andere als gradlinig. Es gab Rennen wie Katar, die eher Enttäuschung als Aufbruchsstimmung hinterlassen haben. Momente, in denen man das Gefühl hatte, dass dieses Projekt zwar Potenzial besitzt, aber noch nicht die Ruhe und Stabilität gefunden hat, um daraus konstant Kapital zu schlagen. Genau deshalb wirkt Suzuka jetzt wie ein Wendepunkt, der alles überstrahlt.
Der Überraschungssieg von Chris Gitsov hat dem Team nicht nur einen sportlichen Höhepunkt beschert, sondern plötzlich eine ganz andere Erzählung gegeben. Aus einem Neueinsteiger, der bis dahin vor allem zwischen Lichtblicken und Rückschlägen pendelte, wurde mit einem Schlag ein Team, das bereits ein Rennen gewonnen hat. Und genau das verändert die Wahrnehmung komplett. Dieser Sieg war nicht einfach nur ein gutes Ergebnis – er war ein Statement, ein emotionaler Befreiungsschlag und vielleicht genau der Moment, der einem jungen Projekt das nötige Selbstvertrauen für die nächsten Wochen gibt.
Dazu kommt, dass Rookie Monsters nicht nur mit Rückenwind nach Kanada reist, sondern auch mit einem kleinen Updatepaket. Das mag im Vergleich zu den ganz großen Umbauten anderer Teams auf den ersten Blick unspektakulär wirken, kann aber genau die richtige Mischung sein: keine überhastete Revolution, sondern gezielte Weiterentwicklung auf einer Basis, die zuletzt offensichtlich funktioniert hat. Vor allem aber reist dieses Team nicht mehr mit der Frage an, ob es mithalten kann – sondern mit dem Gefühl, bereits bewiesen zu haben, dass an guten Tagen sogar ganz vorne alles möglich ist.
Und genau darin liegt jetzt die große Aufgabe. Suzuka hat die Stimmung gedreht, aber Kanada muss nun zeigen, ob aus diesem emotionalen Hoch auch echte Stabilität entstehen kann. Denn so stark Gitsovs Überraschungssieg auch war: Am Ende wird sich Rookie Monsters daran messen lassen müssen, ob dieser Triumph der Beginn einer neuen Phase war – oder ein einzelner magischer Ausreißer in einer noch immer wechselhaften frühen Saison.
Ottimale EM: Die positive Überraschung, die längst mehr ist als nur ein Außenseiter

Ottimale EM gehört nach den ersten vier Rennen ohne Frage zu den positiven Überraschungen dieser Saison. 30 Punkte, Rang vier in der Meisterschaft und damit klar vor dem eigenen Vorjahreswert – das ist nicht einfach nur ein ordentlicher Start, sondern ein deutlicher Schritt nach vorne. Dieses Team hat sich in der frühen Saisonphase in eine Position gebracht, in der man es nicht mehr nur als soliden Punktesammler sehen kann, sondern als Mannschaft, die sich im Feld sichtbar nach oben gearbeitet hat.
Ein entscheidender Grund dafür trägt den Namen Tim Hauck. Dass er aktuell auf WM-Platz drei liegt, ist eine der großen Geschichten dieser frühen Saison. Hauck ist bislang nicht nur schnell, sondern vor allem konstant, abgeklärt und erstaunlich reif unterwegs. Er ist damit ganz klar eine der Überraschungen des Jahres und gibt Ottimale EM eine sportliche Schlagkraft, die dem Team in dieser Form viele vielleicht nicht zugetraut hätten.
Gleichzeitig ist es für Ottimale nicht nur eine One-Man-Show. Auch Publikumsliebling Stefan Schubert hat bereits Punkte beigesteuert und damit seinen Teil dazu geleistet, dass das Team derzeit so stabil dasteht. Genau das macht den Saisonstart von Ottimale so interessant: Hier trägt nicht nur ein einzelner Fahrer ein Projekt, sondern das Gesamtbild wirkt insgesamt gefestigter, belastbarer und konkurrenzfähiger als noch im Vorjahr.
Und trotzdem scheint sich das Team nicht mit dieser Entwicklung zufriedenzugeben. Für Kanada bringt Ottimale EM ein kleines Updatepaket mit, bei dem an einigen Stellschrauben gedreht wurde, um die Performance noch weiter zu verbessern. Das ist ein starkes Signal. Denn es zeigt, dass Ottimale den guten Saisonstart nicht einfach verwalten will, sondern versteht, dass genau jetzt der Moment ist, um nachzulegen. Wenn ein Team früh überrascht und dann sofort weiterentwickelt, kann daraus schnell mehr entstehen als nur eine schöne Anfangsphase.
Genau deshalb wirkt Ottimale EM aktuell wie eines der gefährlichsten Teams im erweiterten Vorderfeld. Vielleicht fehlt noch der ganz große Ausreißer nach ganz vorne, vielleicht stehen noch keine Siege oder Podien auf dem Papier – aber die Richtung stimmt. Und wenn Hauck dieses Niveau hält, Stefan weiter wichtige Punkte beisteuert und das kleine Kanada-Paket noch einmal Wirkung zeigt, dann könnte Ottimale schon bald nicht mehr nur als Überraschung gelten, sondern als fester Faktor im Kampf um die Plätze direkt hinter der absoluten Spitze.
Zwei Teams mit Aufwind – aber auf ganz unterschiedliche Weise
Nach vier Rennen lässt sich deshalb auch hier ein klares Zwischenfazit ziehen: Rookie Monsters lebt aktuell vor allem vom emotionalen Schub des Suzuka-Sieges, der dem Projekt plötzlich eine ganz andere Energie gibt. Ottimale EM dagegen überzeugt eher durch die ruhigere, stabilere Entwicklung und hat sich Schritt für Schritt in eine Position gearbeitet, die im Feld immer mehr Respekt erzeugt.
Beide Teams reisen mit kleinen Updatepaketen nach Kanada, doch die Ausgangslage unterscheidet sich. Rookie Monsters will den Schwung eines magischen Moments konservieren und daraus mehr Konstanz formen. Ottimale EM dagegen will auf einer bereits starken Basis weiter aufbauen und den nächsten Schritt nach vorne machen. Genau deshalb könnte Kanada für beide Teams erneut zeigen, dass sie in dieser Saison längst mehr sind als nur interessante Randgeschichten.

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