Fünf Dinge, die wir vom Japan GP gelernt haben
- vor 2 Tagen
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Suzuka hat geliefert – und wie.
Was eigentlich als klassisches Strategie-Rennen erwartet wurde, entwickelte sich zu einem der chaotischsten und gleichzeitig unterhaltsamsten Grands Prix der jüngeren VFC-Geschichte. Überraschungssieger, verpasste Großchancen und zahlreiche Zwischenfälle prägten das Bild eines Rennens, das noch lange Gesprächsthema bleiben wird.
Chris Gitsov – VFC-Sieger

Am Sonntag wurde die VFC Zeuge einer echten Sensation:
Chris Gitsov gewinnt in Suzuka sein erstes VFC-Rennen. Der Italo-Bulgare, der bislang mit einem achten Platz als bestes Ergebnis eher im Mittelfeld unterwegs war, nutzte die sich bietenden Umstände gnadenlos aus. Bereits im Vorfeld galten die Rookie Monsters durch ihren frischen Motor als eines der Teams, mit denen zu rechnen war – doch dass es am Ende zu einem Sieg reichen würde, hatte kaum jemand auf dem Zettel.
Gitsov hielt sich über weite Strecken aus allen Zwischenfällen heraus, fuhr ein kontrolliertes Rennen und war genau zur richtigen Zeit zur Stelle. Die letzte Safety-Car-Phase spielte ihm dabei perfekt in die Karten: Sie spülte ihn auf Rang drei nach vorne – mitten hinein in den Kampf um den Sieg mit Sven Schubert und Tom Oldenmenger.
Während Schubert nach dem Restart nicht mehr die Pace hatte, zogen sowohl Oldenmenger als auch Gitsov vorbei. Doch Gitsov wollte mehr: Drei Runden vor Schluss setzte er zum entscheidenden Angriff auf den Niederländer an, übernahm die Führung und ließ sich diese nicht mehr nehmen.
Was folgte, waren Szenen purer Ekstase in der Rookie-Monsters-Box.Die Feierlichkeiten sollen bis in die frühen Morgenstunden gegangen sein – Berichten zufolge wurde Gitsov am nächsten Morgen sogar neben seinem „Buran“ liegend aufgefunden.
Robin Moelling – des einen Freud ist des anderen Leid

Während sein Teamkollege Geschichte schrieb, erlebte Robin Moelling eines der bittersten Rennen seiner bisherigen VFC-Karriere.
Im Qualifying dominierte der Deutsche das Feld nach Belieben und sicherte sich mit einer beeindruckenden Runde seine erste Pole Position. Alles deutete darauf hin, dass der Sieg nur über ihn gehen würde.
Doch bereits am Start begann das Drama: Tom Oldenmenger erwischte den besseren Launch und übernahm die Führung. In der frühen Safety-Car-Phase in Runde 6 entschieden sich die Top 3 – Oldenmenger, Moelling und Schubert – gemeinsam für den Boxenstopp. Dabei verlor Moelling eine weitere Position an Schubert.
Was folgte, war ein Rennen im Verkehr – und dort nahm das Chaos seinen Lauf.Moelling wurde zunächst in eine Kollision zwischen Oldenmenger und Rouven Meschede verwickelt. Dabei traf er Meschede, was zu einem spektakulären Überschlag mit Schraube führte und ihm selbst den Frontflügel kostete.
Nur kurze Zeit später kam es zur nächsten Szene:Ein Zusammenstoß mit Alex Woitala, ausgelöst durch einen äußerst fragwürdigen Rejoin des Seawolf-Piloten. Für beide war das Rennen an dieser Stelle beendet.
Doch damit nicht genug: Nach dem Rennen sah sich Moelling auch noch mit dem Vorwurf konfrontiert, sein Fahrzeug absichtlich an einer ungünstigen Stelle abgestellt zu haben, um ein Safety Car auszulösen.Der Deutsche erklärte, dass er aufgrund seiner Sitzposition die Vorderräder nicht sehen könne und zunächst davon ausging, lediglich den Frontflügel verloren zu haben – Videoaufnahmen bestätigten seine Darstellung.
Am Ende stehen null Punkte – obwohl alles auf einen möglichen Sieg hingedeutet hatte.
Schubert, Hauck und van Leeuwen – die großen Verlierer des Safety Cars

Bis zur letzten Safety-Car-Phase deutete vieles auf ein völlig unerwartetes Podium hin: Sven Schubert vor Tim Hauck und Sander van Leeuwen.
Für Hauck und van Leeuwen wäre es jeweils das erste Podium in der VFC gewesen – ein Meilenstein, der zum Greifen nah war.
Doch das Safety Car stellte das gesamte Rennen auf den Kopf. Strategien wurden entwertet, Abstände neutralisiert und das Feld neu sortiert.
Hauck konnte sich immerhin noch auf Platz vier retten und sicherte sich damit wichtige Punkte, die ihn auf Rang drei der Gesamtwertung nach vorne brachten. Van Leeuwen hingegen hatte weniger Glück: Nach einer Kollision mit Michael Falkenhain fiel er bis auf Platz neun zurück.
Blue Horns Racing – Chance vertan

Auch Blue Horns Racing setzte in Suzuka auf die gleiche Strategie wie Rookie Monsters: ein frischer Motor, maximale Leistung, Angriff nach vorne.
Doch während Rookie Monsters daraus Kapital schlagen konnte, blieb Blue Horns hinter den eigenen Möglichkeiten zurück.
Beide Fahrer verpassten den Einzug in Q2, und für Tim Brendel war das Rennen bereits nach wenigen Metern beendet. Jörn Dicks versuchte es im Anschluss mit einer alternativen Strategie und konnte zwischenzeitlich sogar einige Führungsrunden sammeln – doch am Ende reichte es lediglich für Platz sechs.
Ein Blick auf die Konkurrenz macht deutlich, wie groß die verpasste Chance war. Rookie Monsters, auf dem Papier mit dem schwächeren Gesamtpaket ausgestattet, holte den Sieg – während Blue Horns kaum Kapital aus seinem Vorteil schlagen konnte.
Hier stellt sich zwangsläufig die Frage nach der internen Umsetzung und Struktur.
Suzuka – das Chaosrennen der Saison

Eigentlich galt Montreal traditionell als das Chaosrennen im Kalender – doch 2026 hat Suzuka diesen Titel vorzeitig für sich beansprucht.
Bereits in der Einführungsrunde kam es zum ersten Zwischenfall:Stefan Cerne fuhr unaufmerksam auf James Andrews auf und beendete dessen Rennen noch vor dem eigentlichen Start. Der Engländer reagierte wütend und suchte anschließend das Gespräch – Cerne war jedoch schneller verschwunden, als man reagieren konnte.
Der Start selbst brachte das nächste Drama: Fabian Szyrzik würgte seinen Wagen ab, wodurch eine Kettenreaktion entstand. Mehrere Fahrer konnten nicht mehr ausweichen – darunter Heiko Kolvenbach, Tim Brendel, Daniel Scott und Szyrzik selbst. Für Kolvenbach und Szyrzik ein herber Rückschlag im Titelkampf.
Im weiteren Rennverlauf folgten zahlreiche Duelle – teils sehenswert, teils grenzwertig. Rouven Meschede wurde nach einem Kontakt mit Jörn Dicks aus dem Rennen genommen, während auch mehrere andere Fahrer – darunter Falcon-Piloten und Mirco Mancini – durch Kollisionen oder eigene Fehler ausschieden.
Am Ende erreichten lediglich zwölf Fahrer das Ziel.Bemerkenswert: Stefan Schubert rettete sich irgendwie durch das Chaos und sicherte sich zwei Punkte, während Louis Roehn endlich den ersten Punkt für Seawolf NetRace Motorsport holte.
Die Qualität der Zweikämpfe ließ teilweise zu wünschen übrig – der Unterhaltungswert hingegen war enorm.
Suzuka bleibt eine Strecke, die alles verzeiht – außer Fehler.Und genau das hat dieses Rennen eindrucksvoll bewiesen.