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Fünf Dinge, die wir aus dem Großbritannien-GP gelernt haben

vor 28 Minuten
4 Min. Lesezeit

Silverstone hat einmal mehr gezeigt, warum die Strecke zu den strategisch anspruchsvollsten Kursen im VFC-Kalender gehört. Reifenverschleiß, unterschiedliche Stoppstrategien und intensive Zweikämpfe prägten den Grand Prix. Benjamin Gielczynski spielte seine große Stärke erneut perfekt aus, während sich hinter ihm ein hochinteressanter Strategiekampf entwickelte. Das sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus Großbritannien.


Benjamin Gielczynski – Reifenverschleiß als Trumpf

Silverstone gilt bekanntlich als eine der reifenmordendsten Strecken im gesamten VFC-Kalender – und genau diese Eigenschaft spielte Benjamin Gielczynski einmal mehr perfekt in die Karten.

Der Seawolf-Pilot gewann den Großen Preis von Großbritannien mit einer nahezu fehlerfreien Vorstellung. Lediglich der Start verlief nicht optimal. Bereits nach Kurve zwei war Gielczynski hinter Patrik Hanko und Sven Schubert zurückgefallen und musste sich zunächst mit Rang drei begnügen.

Doch anstatt früh unnötige Risiken einzugehen, blieb Gielczynski geduldig. Im ersten Stint hielt er sich bewusst aus den Zweikämpfen heraus, schonte seine Reifen und wartete auf seine Chance. Erst gegen Ende des Stints lief er auf Schubert auf. Als dieser schließlich an die Box ging, war der Weg für Gielczynski frei.

Die anschließende Safety-Car-Phase spielte seiner Strategie zusätzlich in die Karten. Hanko und Schubert waren bereits eine Runde vor dem Einsatz des Safety Cars zum Boxenstopp gekommen und damit faktisch auf ihre Drei-Stopp-Strategie festgelegt. Gielczynski hingegen konnte seine geplante Zwei-Stopp-Variante weiter durchziehen.

Von diesem Moment an kontrollierte der Seawolf-Fahrer das Rennen. Seine Pace blieb konstant, der Reifenverschleiß unter Kontrolle und die Konkurrenz konnte ihm strategisch kaum noch gefährlich werden.

Am Ende stand ein ungefährdeter Sieg – bereits der vierte Saisonerfolg für Gielczynski. Gleichzeitig übernahm er damit Platz drei in der Fahrer-WM.



Zwei oder drei Stopps – der Strategiepoker von Silverstone

Schon vor dem Rennwochenende wurde intensiv darüber diskutiert, welche Strategie in Silverstone die schnellere sein würde.

Die enormen Belastungen für die Reifen machten sowohl eine Zwei- als auch eine Drei-Stopp-Strategie realistisch. Im Rennen erhielten wir schließlich die Antwort.

Benjamin Gielczynski und Fabian Szyrzik zogen ihre Zwei-Stopp-Strategie konsequent durch – und wurden dafür mit den ersten beiden Plätzen belohnt. Besonders Gielczynski zeigte dabei, wie entscheidend kontrollierter Reifenverschleiß über eine komplette Renndistanz sein kann.

Sven Schubert, der das Rennen auf Platz drei beendete, war dagegen der bestplatzierte Fahrer auf einer Drei-Stopp-Strategie.

Der Optiminal-Pilot zeigte vor allem im letzten Stint beeindruckende Pace und fuhr die schnellsten Rundenzeiten des Rennens. Auf den frischeren Reifen konnte er deutlich mehr Tempo gehen als die Konkurrenz auf der Zwei-Stopp-Variante.

Doch Silverstone besitzt eine lange Boxengasse – und genau diese zusätzliche Standzeit war am Ende zu groß. Schubert konnte den Reifenvorteil auf der Strecke nicht ausreichend ausspielen, um den Zeitverlust eines weiteren Stopps wieder vollständig aufzuholen.

Der Grand Prix wurde damit zu einem Paradebeispiel dafür, dass nicht immer die schnellste Strategie auf dem Papier auch die schnellste über die gesamte Renndistanz sein muss.



Hanko gegen Schubert – das Duell des Rennens

Das intensivste Duell des Großbritannien-GP lieferten sich Patrik Hanko und Sven Schubert.

Über nahezu die gesamte Renndistanz lagen beide selten mehr als rund drei Sekunden auseinander. Richtig spannend wurde es jedoch nach dem zweiten Boxenstopp, als beide hinter einer großen Gruppe von Fahrzeugen zurück auf die Strecke kamen.

Hanko tat sich zunächst etwas schwerer damit, sich durch den Verkehr zu arbeiten. Genau diesen Moment nutzte Schubert.

Nach Copse hatte Hanko nicht den optimalen Schwung, und Schubert erkannte seine Chance sofort. Der Optiminal-Pilot setzte sich neben den Slowaken und vollendete das Manöver durch die schnelle Kombination Maggots, Becketts und Chapel – eines der spektakulärsten Überholmanöver des gesamten Rennens.

Danach heftete sich Hanko direkt an Schuberts Heck. Der Deutsche machte jedoch kurzen Prozess mit dem Verkehr und arbeitete sich mit kompromissloser Pace durch die Gruppe.

Teamchef Rouven Meschede kommentierte Schuberts Auftritt daraufhin mit den Worten:„Dieser Typ ist geisteskrank – und das ist mein Fahrer.“

In der Schlussphase entschied Schubert das Duell endgültig für sich. Seine Reifen waren rund drei Runden frischer als die von Hanko, und zusätzlich gelang es ihm, Robin Moelling clever zwischen sich und den VEGA-Piloten zu bringen.

Hanko gab in der letzten Runde zusätzlich Platz fünf an Teamkollege Tom Oldenmenger ab, um dessen Vorsprung auf Schubert in der Fahrer-WM so groß wie möglich zu halten.

Ein Duell, das nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern auch durch Strategie und Teamdenken geprägt war.



Fabian Szyrzik – zurück auf dem Podium

Für eine der positivsten Überraschungen des Wochenendes sorgte Fabian Szyrzik.

Der Horizon-Pilot fuhr in Silverstone auf Platz zwei und feierte damit sein zweites Podium der Saison. Nach einer bisherigen Saison, die von Pleiten, Pech und Pannen geprägt war, dürfte dieses Ergebnis sowohl für Szyrzik selbst als auch für Horizon Motorsport enorm wichtig gewesen sein.

Besonders bemerkenswert war dabei die Umsetzung der Zwei-Stopp-Strategie. Szyrzik hielt seine Reifen im richtigen Fenster, blieb über die Distanz konstant und profitierte davon, dass mehrere Konkurrenten auf eine aggressivere Drei-Stopp-Variante setzten.

Der zweite Platz war jedoch nicht nur persönlich wertvoll.

Im engen Kampf um Platz fünf in der Team-WM konnte Horizon Motorsport wichtige Punkte sammeln und wieder an Rookie Monsters vorbeiziehen.

Nach zahlreichen Rückschlägen in dieser Saison war Silverstone für Szyrzik und Horizon genau das Ergebnis, das beide dringend gebraucht hatten.



Wird die Team-WM noch einmal spannend?

Über weite Strecken der Saison sah die Team-WM nach einer relativ klaren Angelegenheit für Optiminal Esports aus.

Doch inzwischen ist Bewegung in den Titelkampf gekommen.

Der Vorsprung auf VEGA beträgt nur noch 29 Punkte. Besonders auffällig ist der Trend der vergangenen drei Rennen: In diesem Zeitraum hat VEGA 27 Punkte mehr gesammelt als Optiminal.

Damit hat sich die Ausgangslage deutlich verändert.

VEGA scheint aktuell konstanter zu punkten, während Optiminal zuletzt nicht mehr ganz die Dominanz der ersten Saisonhälfte ausstrahlte. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte aus dem vermeintlich komfortablen Vorsprung schneller ein echter Titelkampf werden als erwartet.

29 Punkte sind weiterhin ein solides Polster – aber längst kein beruhigendes mehr.

Die Team-WM, die vor wenigen Rennen noch fast entschieden wirkte, könnte in der Schlussphase der Saison tatsächlich noch einmal richtig spannend werden.

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