2025 gegen 2026: Der große Teamcheck nach den ersten vier Rennen | Teil 3 von 6
- vor 4 Tagen
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Vier Rennen sind gefahren, die Frühlingspause ist da – und damit der perfekte Zeitpunkt für die nächste Standortbestimmung. Im dritten Teil unseres großen Teamchecks richten wir den Blick auf drei etablierte Namen im Feld: SVL Racing, Arrow Racing und Simspark Racing. Drei Teams, drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen – und doch steht für alle fest, dass die kommenden Wochen eine wichtige Richtung vorgeben werden.
SVL Racing: Solide geblieben – aber der große Schritt nach vorne ist ausgeblieben

SVL Racing ist nach den ersten vier Rennen 2026 eines dieser Teams, bei denen der direkte Vergleich mit 2025 auf den ersten Blick fast unspektakulär wirkt – und genau darin liegt die eigentliche Geschichte. 19 Punkte stehen erneut auf dem Konto, also exakt derselbe Wert wie im Vorjahr. Keine Siege, keine Podien, kein Top-5-Ergebnis. Rein auf dem Papier ist SVL damit fast an exakt derselben Stelle wie schon 2025.
Und doch fühlt sich dieser Saisonstart nicht komplett identisch an. SVL hat 2026 bislang ein Top-10-Ergebnis mehr geholt und gleichzeitig die Zahl der Ausfälle reduziert. Das zeigt: Das Team wirkt insgesamt stabiler, sauberer und in den Rennen etwas belastbarer. Gerade über die Distanz gelingt es immer wieder, aus dem vorhandenen Material noch etwas herauszuholen. Dass dabei der Name Sander van Leeuwen eine entscheidende Rolle spielt, überrascht kaum. Der Niederländer hat sich längst den Ruf als Reifenflüsterer erarbeitet – und genau dieses Gespür hilft SVL auch in dieser Saison, aus schwierigen Wochenenden noch brauchbare Resultate zu ziehen.
Genau darin liegt aber auch die Grenze dieses Starts. Denn während die Rennpace und das Reifenmanagement weiterhin dafür sorgen, dass SVL im Rennen nicht komplett untergeht, fehlt dem Team bislang der Schritt nach vorne auf einer Runde. Die beste Startposition ist mit Rang zwölf deutlich schwächer als im Vorjahr, und genau das macht viele Sonntage unnötig schwer. SVL muss sich aktuell zu oft von hinten nach vorne arbeiten, statt schon am Samstag die Grundlage für wirklich starke Ergebnisse zu legen.
Dass das Team ohne Updatepaket nach Kanada reist, macht die Lage zusätzlich interessant. Während andere Konkurrenten versuchen, mit neuen Teilen einen Sprung zu machen, setzt SVL vor allem weiter auf die Stärke seines bestehenden Gesamtpakets – und auf Fahrer, die aus diesem Paket das Maximum pressen können.
Das ist einerseits ein Zeichen von Vertrauen in die eigene Basis, andererseits aber auch ein Risiko. Denn wenn um SVL herum mehrere Teams den nächsten Schritt machen, könnte genau diese Konstanz plötzlich weniger wert sein als bisher.
So steht SVL Racing im Moment ein wenig zwischen den Fronten. Das Team ist nicht eingebrochen, es ist aber eben auch nicht sichtbar gewachsen. Es hält sich im Spiel, lebt von Stabilität, Reifenmanagement und sauberer Arbeit – doch ohne technischen Impuls könnte genau dieses solide Niveau bald nicht mehr reichen, um die Position im Mittelfeld wirklich zu verteidigen.
Arrow Racing: Der freie Fall – und nun die Hoffnung auf den kompletten Neustart

Bei Arrow Racing fällt das Urteil nach den ersten vier Rennen 2026 hart aus. Null Punkte, kein Top-10-Ergebnis, Rang 13 in der Meisterschaft – der Vergleich mit 2025 ist bitter. Schon im Vorjahr gehörte das Team nicht zu den großen Gewinnern des Saisonstarts, doch damals standen zumindest noch drei Punkte und etwas mehr sportliche Nähe zum Feld zu Buche. 2026 ist Arrow bislang deutlich weiter weg.
Besonders schmerzhaft ist dabei nicht nur die fehlende Ausbeute, sondern das Gesamtbild. Die besten Einzelresultate liegen mit Rang 14 im Rennen und Platz 17 im Qualifying spürbar hinter dem, was das Team selbst für sich beansprucht. Dazu kommt eine erschreckend hohe Zahl an Ausfällen, die zeigt, wie wenig bislang wirklich zusammenläuft. Arrow Racing ist aktuell nicht einfach nur langsam – das Team wirkt in dieser frühen Saisonphase regelrecht aus dem Tritt geraten.
Und genau deshalb richtet sich jetzt fast alles auf Kanada. Arrow bringt dort das größte Paket des gesamten Feldes mit und hat das komplette Auto überarbeitet. Das ist kein normales Update mehr, das ist ein offener Versuch, die Richtung der Saison mit einem Schlag zu verändern. Größer kann ein technisches Signal kaum sein. Arrow weiß offenbar selbst ganz genau, dass dieses Projekt nach den ersten Rennen dringend einen Wendepunkt braucht.
Doch genau an dieser Stelle endet die rein technische Betrachtung – und die eigentliche Frage beginnt. Denn selbst das größte Updatepaket kann nicht automatisch alles lösen. Vor allem nicht, wenn auch mental bereits Zweifel sichtbar werden. Ob dieses neue Gesamtpaket ausreicht, um auch das Motivationstief von Stefan Cerne zu überwinden, bleibt offen. Und genau das macht Arrow aktuell zu einem der spannendsten, aber auch fragilsten Fälle im Feld. Denn wenn nicht nur das Auto, sondern auch das Vertrauen ins Projekt angeschlagen ist, dann reicht mehr Performance allein nicht immer aus.
Arrow Racing fährt deshalb nach Kanada mit maximalem Druck. Das Team braucht nicht nur ein besseres Auto, es braucht ein Lebenszeichen. Ein Wochenende, das endlich wieder Hoffnung, Energie und vielleicht auch ein wenig alte Überzeugung zurückbringt. Denn wenn selbst dieses gewaltige Paket keine klare Verbesserung auslöst, dann droht aus einem schwierigen Saisonstart sehr schnell eine echte Krise zu werden. Simspark Racing: Den eigenen Ansprüchen weit hinterher – und der Druck wird immer größer

Simspark Racing gehört nach den ersten Rennen 2026 ganz klar zu den Enttäuschungen des bisherigen Saisonverlaufs. Zwei Punkte, kein Top-10-Ergebnis, Rang elf in der Meisterschaft – das ist für ein Team mit diesem Anspruch viel zu wenig. Vor allem im direkten Vergleich mit 2025 wird sichtbar, wie deutlich der Rückschritt tatsächlich ausfällt. Damals stand Simspark bereits bei 18 Punkten, hatte ein Top-5-Ergebnis, zwei Top-10-Platzierungen und war deutlich näher an einem echten Platz im Mittelfeld.
2026 ist davon bislang kaum etwas übrig geblieben. Das beste Rennergebnis liegt nur bei Platz elf, im Qualifying kam das Team nicht über Rang 16 hinaus. Damit fehlt Simspark nicht nur die Pace für gute Resultate, sondern schon die Grundlage, um überhaupt regelmäßig in Schlagdistanz zu den Punkten zu kommen. Das Team startet seine Wochenenden zu oft aus einer Position der Schwäche und gerät dadurch früh in einen Modus, in dem es mehr ums Überleben als ums Angreifen geht.
Besonders bitter ist dabei, dass diese Saison nicht einfach nur unglücklich aussieht, sondern wie ein echtes Verfehlen der eigenen Erwartungen. Bei Simspark geht es nicht um ein kleines Tal oder einen vorübergehenden Hänger – es geht um ein Team, das seinen eigenen Ansprüchen aktuell krass hinterherläuft. Genau deshalb wird die Luft langsam enger. Denn je länger dieser Zustand anhält, desto größer wird der Druck. Nicht nur auf die Ergebnisse, sondern auf das gesamte Projekt.
Die Lage wird auch deshalb unangenehm, weil andere Teams im Mittelfeld und Hinterfeld entweder schon mehr gezeigt haben oder nun mit neuen Impulsen nach Kanada reisen. Während sich rund um Simspark Bewegung entwickelt, droht das Team selbst langsam den Anschluss zu verlieren. Und das ist oft die gefährlichste Phase einer Saison: nicht der große Knall, sondern das schleichende Zurückfallen, während um einen herum alle anderen anfangen, neue Hoffnung zu schöpfen.
Simspark braucht deshalb dringend ein Wochenende, das die Richtung verändert. Kein kleines Achtungsergebnis, kein halbwegs ordentliches Durchkommen – sondern einen echten Schritt nach vorne. Denn nach dem bisherigen Verlauf ist klar: Der Abstand zu den eigenen Ansprüchen ist bereits groß. Und wenn nicht bald eine Antwort kommt, dann wird aus einem enttäuschenden Start sehr schnell ein echter Problemfall.
Drei Teams, drei sehr unterschiedliche Sorgen
SVL Racing hält sich mit Konstanz, Reifenmanagement und der Klasse von Sander van Leeuwen weiter über Wasser, ohne aber wirklich zu wachsen. Arrow Racing steht nach einem desaströsen Start vor einem fast schon existenziellen Kanada-Wochenende, in dem das größte Updatepaket des Feldes alles verändern soll. Und Simspark Racing steckt immer tiefer in einer Phase, in der die Ergebnisse nicht nur schwach sind, sondern gefährlich weit von den eigenen Ansprüchen entfernt liegen.
Gerade deshalb könnte Kanada für alle drei Teams zu einem Schlüsselwochenende werden – wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Für SVL geht es darum, ohne technische Hilfe die eigene Stabilität zu behaupten. Für Arrow darum, aus einem Komplettumbau endlich neue Hoffnung zu ziehen. Und für Simspark darum, zu beweisen, dass diese Saison noch nicht endgültig in eine falsche Richtung kippt.

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